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Impingementsyndrom

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Impingementsyndrom



von Dr. med. F. Böttner
Facharzt für Orthopädie
ATOS Privatklinik München

Inhalt:


Einleitung


Das Impingementsyndrom ist eine der häufigsten Erkrankungen des Schultergelenks. Die Beschwerden entstehen aufgrund einer Reizung der zwischen Akromion und Rotatorenmanschette gelegenen Bursa.

ImpingementBursitis.jpg

Die Reizung der Bursa führt zu einer Bursitis die sich klinisch durch Nachtschmerzen und Beschwerden bei Tätigkeiten über Kopf- und Schulterniveau bemerkbar macht. Ursächlich kann eine knöcherne Enge durch ein rabenschnabelartig ausgezogenes Akromion, ein Os acromiale (zusätzlicher Knochenkern des Akromions) oder eine in Fehlstellung verheilte Schulterfraktur (Tuberculum majus) auslösend sein.

ImpingementRoengenbildabbildung.jpg

Häufig ist auch eine gestörte Balance zwischen Deltamuskel (zieht den Oberarmkopf in Richtung Akromion) und der Rotatorenmanschette (zieht den Oberarmkopf nach unten und vergrößert den Platz unter dem Akromion) ursächlich verantwortlich. Überwiegt der Deltamuskel, dann wird der Oberarmkopf mit dem Heben des Arms in Richtung Akromion bewegt und der Gelenkschleimbeutel (Bursa) gereizt. Dies erklärt die Schmerzen, wenn der Arm angehoben wird.

ImpingementRotatorenmanschettepull.jpg

klinisches Bild

Patienten mit einem Impingementsyndrom klagen über:
  • Nachtschmerzen
  • nächtlichem Aufwachen aufgrund von Schulterschmerzen
  • können nicht auf der betroffenen Schulter liegen
  • Schmerzen beim Anheben des Arms
  • Schmerzen bei Überkopfarbeit

Diagnostik

Die Diagnose wird durch eine gründliche klinische Untersuchung und die typischen Beschwerden des Patienten gestellt. Ihr Arzt hat eine Reihe an klinischen Tests, die ihm helfen eine subakromiale Enge festzustellen. Zu diesen Tests gehören zum Beispiel der Hawkins oder Neer Impingementtest. Im Anschluß wird der Arzt oft eine subakromiale Infiltration mit einem Lokalanästhetikum und einem Steroid durchführen. Verschwindet nach der Spritze der Schmerz, dann liegt auch mit großer Wahrscheinlichkeit eine subakrormiale Reizung vor. Ist ein Impingementsyndrom festgestellt, dann gilt es sicherzustellen, dass die Rotatorenmanschette intakt ist. Ihr Arzt wird dazu die Kraft der Rotatorenmanschettenmuskel einzeln testen. Dies wird am besten vor und nach der subakromialen Infiltration durchgeführt, da die Schmerzspritze oft erst eine genaue Beurteilung der Rotatorenmanschette zuläßt. Weitere Informationen gibt das Röntgenbild. In der sogenannten supraspinatus Tunnel-Aufnahme kann Ihr Arzt die Form des knöchernen Akromions beurteilen und feststellen ob ein knöcherner Fortsatz den Subakromialraum einengt. Ein Magnetresonztomogramm (MRT) hilft es, zusätzliche Informationen über die Weichteile des Schultergürtels insbesondere die Rotatorenmanschette zu gewinnen. Hier ein Beispiel eines MRT mit einer Rotatorenmanschettenruptur:
ImpingementRotatorenmanschetteMRT.jpg

konservative Therapie

Durch konsequente konservative Therapie kann in vielen Fällen eine Operation vermieden werden. Die Therapie hat zum Ziel, die Schmerzen und Entzündungsreaktion zu mindern und die Rotatorenmanschette zu kräftigen. Die Schmerzlinderung erfolgt direkt in der Sprechstunde durch die subakromiale Infiltration, eine Einspritzung in den Subakromialraum mit einem kurz und langwirksamen Lokalanästhetikum und einem Steroid. Nicht selten sind nach dieser Spritze die Schmerzen vollständig beseitigt. Die Spritze kann nach 4-6 Wochen noch 1-2 Mal wiederholt werden. Zur weiteren systemischen Unterdrückung der Entzündungsreaktion wird dann in den kommenden 6 bis 12 Wochen ein nichtsteroidales Rheumatikum (Ibuprofen, Celebrex, etc.) eingesetzt. Gleichzeitig wird durch ein intensives Muskelaufbauprogramm die Rotatorenmanschette auftrainiert und so die Dysbalance zwischen Deltamuskel und Rotatorenmanschette behoben. Die Übungen sollten Sie zweimal täglich über einen Zeitraum von mindestens 6 Wochen durchführen. Ist nach 6-12 Wochen eine Besserung zu verzeichnen wird die konservative Therapie fortgesetzt. Bestehen dann immer noch starke Schmerzen und ist keine Verbesserung festzustellen, dann wird in der Regel die Möglichkeit einer Operation diskutiert.

operative Therapie

Die operative Therapie erfolgt heute ausnahmslos arthroskopisch. Dafür wird zunächst das Schultergelenk gespiegelt, um Veränderungen im Gelenk, vor allem eine Rotatorenmanschettenrutpur, auszuschließen. Für eine arthrsokopische subakromiale Dekompression sind selten mehr als 2 oder 3 kleine (0,5 cm) Schnitte notwendig:

Schulterarthroskopie.jpg

Nachdem die Kamera dann in den Subakromialraum geführt wurde zeigt sich häufig eine starke Entzündung des subakromialen Schleimbeutels (Bursitis):

ImpingementSchleimbeutel.jpg

Nachdem der gereizte Schleimbeutel sorgfältig arthroskopisch entfernt wurde wird dann das Akromion dargestellt. Hier zeigt sich oft ein deutlicher Knochensporn:

ImpingementakroionUnterflaeche.jpg

Dieser Knochensporn wird nun sorgfältig mit einem Rotationsfräse abgetragen:

ImpingementAkromioplastik.jpg

Diese Operation dauert in der Regel 15 bis 30 Minuten.

Nachbehandlung

Nach der Operation wird der Arm in einer Schlinge gelagert, um die ersten Stunden und Tage nach der Operation so angenehm wie möglich zu machen. Die Schulter wird gekühlt und Sie erhalten Schmerzmedikamente, die das auftreten von Schmerzen verhindern. Günstig ist es, wenn die Operation unter einem lokalen Nervenblock erfolgt, da dieser über Stunden nach der Operation die Schmerzen vollständig ausschaltet.
Bereits am Tag nach der Operation dürfen Sie Ihren Arm frei bewegen und beginnen nun mit einem intensiven Krankengymnastik Programm. Einschränkungen sind nach der Operation nicht notwendig.




 



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