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Notizbuch

Acetabulumfraktur

- Rasanztrauma (Verkehrsunfall)
- junge Männer
- Verletzungsmechanismus abhängig von der Krafteinleitung:

  • Krafteinleitung über Trochanter major
  • Krafteinleitung über das Knie bei gebeugter Hüfte
  • Krafteinleitung über den Fuß bei gestrecktem Knie- und Hüftgelenk
  • Krafteinleitung über die dorsalen Beckenanteile

- Nervus ischiadicus: Verletzung durch Fragmente der hinteren Pfanne, initial meist Peroneusanteil betroffen

Bildgebung:

- Röntgen:

  • Beckenübersicht

 

Abb. 3-18: Das knöcherne Acetabulum im Röntgenbild (A): Linea iliopectinea (1), ilio-ischiale Linie (2), vorderer Pfannenrand (3), hinterer Pfannenrand (4). Röntgenbild einer Acetabulumfraktur links (B)
Abb. 3-18: Das knöcherne Acetabulum im Röntgenbild (A): Linea iliopectinea (1), ilio-ischiale Linie (2), vorderer Pfannenrand (3), hinterer Pfannenrand (4). Röntgenbild einer Acetabulumfraktur links (B)
Orthoforum

 

  • Inletaufnahme:
    • Strahlenverlauf von cranial in das Becken
    • Beckeneingangsebene mit direkter Aufsicht auf die Linea terminalis
    • Beurteilung ventro-dorsale Verschiebung
  • Outletaufnahme:
    • Strahlenverlauf von distal im Winkel von 45 Grad
    • Beurteilung cranio-kaudale Verschiebung
    • Beurteilung Sakrum
  • Ala- Aufnahme: Judet- Aufnahme
    • nicht betroffene Seite um 45 Grad angehoben
    • Beurteilung vorderer Pfannenrand und hinterer Pfeiler
  • Obturator Aufnahme:
    • betroffene Seite um 45 Grad angehoben
    • hinterer Acetabulumrand und vorderer Pfeiler
  • Tränenfigur: Position des Hüftkopfes zur Tränenfigur, Hinweis auf Subluxation
  • Unterbrechung Linea iliopectinea (vorderer-) oder ilio-ischiale Linie (hinterer Pfeiler)

 

Abb. 3-19: Röntgenbildgebung: AP (A), Obturator-Aufnahme (B), Ala-Aufnahme (C), (mit freundlicher Genehmigung von AO Publishing, Copyright © 2003, by AO Publishing, Switzerland)
Abb. 3-19: Röntgenbildgebung: AP (A), Obturator-Aufnahme (B), Ala-Aufnahme (C), (mit freundlicher Genehmigung von AO Publishing, Copyright © 2003, by AO Publishing, Switzerland)
Orthoforum

 

- Computertomografie: Ausschluss begleitender Beckenringfrakturen und Hüftkopffrakturen

Einteilung:

Judet und Letournel:- 2-Säulen-Theorie: auf dem Kopf stehendes Y

  • vordere Pfeiler: verläuft vom Os Ilium zum Os pubis
  • hintere Pfeiler: verläuft vom Os Ilium zum Os ischium
  • Dach: Os ilium und Pfannendach

- einfache Frakturen:

  • Fraktur des hinteren Pfannenrands
  • Fraktur des hinteren Pfeilers
  • Fraktur des vorderen Pfannenrands
  • Fraktur des vorderen Pfeilers
  • Querfraktur durch das Pfannendach (transvers)

 

Abb. 3-20: Beispiele für einfache Frakturen nach der Judet und Letournel Klassifikation
Abb. 3-20: Beispiele für einfache Frakturen nach der Judet und Letournel Klassifikation
Orthoforum

 

- komplexe Frakturen:

  • Fraktur des hinteren Pfeilers und des hinteren Pfannenrands
  • Querfraktur und Fraktur des hinteren Pfannenrands
  • T-Fraktur
  • Fraktur des vorderen Pfeilers und hintere Querfraktur
  • Fraktur des hinteren - und vorderen Pfeilers: Acetabulum ist nicht mehr mit dem Sakrum verbunden

AO Klassifikation:
- Typ A: partielle Fraktur der Gelenkfläche, nur ein Pfeiler ist von der Fraktur betroffen

  • A1: hinterer Pfannenrand
  • A2: hinterer Pfeiler
  • A3 vorderer Pfeiler oder Pfannenrand

- Typ B: partielle Fraktur der Gelenkfläche, transvers; beide Pfeiler sind quer frakturiert, jedoch ist ein Teil des Acetabulums noch mit dem proximalen Ilium verbunden

  • B1: transvers
  • B2: T-förmig
  • B3: Fraktur des vorderen Pfeilers und hintere Querfraktur

- Typ C: komplette Fraktur des Acetabulums, beide Pfeiler; Acetabulum hat keine Verbindung zum Achsenskelett mehr

  • C1: hohe Fraktur beider Pfeiler
  • C2: niedrige Fraktur beider Pfeiler
  • C3: mit Beteiligung des ISG

Therapie:

- temporäre Traktion als zeitweise Ruhigstellung (Extension)
konservative Therapie:
- Indikation:

  • Hüftkopf kongruent zur Hüftpfanne (Gelenkstufe <2 mm)
  • keine Beteiligung des Gewicht tragenden Pfannenknochens (Matta Bogen: 45 Grad der cranialen Pfanne in Beckenübersichtsaufnahme, Obturator-Aufnahme und AlaAufnahme normal)

- 10 Kg Teilbelastung für 3 Monate: bessere Entlastung des Hüftgelenks als Gehen unter Entlastung (Gelenkreaktionskräfte bei 10kg Teilbelastung geringer)

operative Therapie:
- Indikation:

  • jeder Hinweis auf eine Subluxation
  • Fragmente, die mehr als 50% der hinteren Wand umfassen
  • > 2mm Stufe in der Gelenkfläche
  • intraartikuläre Fragmente
  • instabile Frakturen: komplexe Frakturen nach Judet und Letournel

- elektiver Eingriff, nur Hüftluxation ist ein Notfall
- Zugang:

  • dorsal:
    • Kocher- Langenbeck
  • ventral:
    • Letournel (ilioinguinal)
    • Smith-Peterson

- Osteosynthese: mit Beckenrekonstruktionsplatte und Schraubenosteosynthese (siehe Abb. 3-21)
- Prophylaxe für heterotope Ossifikation

  • Indomethacin 2x50mg für 2 Wochen, danach 50 mg/Tag für 3 Monate oder
  • einmalige Bestrahlung mit 7 Gy

- perioperative Antibiotikaprophylaxe
- post-OP:

  • 6-8 Wochen 10kg Teilbelastung
  • im Anschluss Röntgenverlaufskontrolle, ggf graduelle Steigerung der Belastung
  • Metallentfernung in der Regel nicht indiziert

- Alternativen: Ziel jeder Operation sollte zunächst die Rekonstruktion der Anatomie sein, in Einzelfällen:

  • Hüftprothese
  • ggf. Arthrodese (junger Patient)

 

Abb. 3-21: Vordere und hintere Stabilisierung mittels vorderem subcutangelegenem Fixateur intern (A) und iliosacralen Schrauben bei einer instabilen Beckenringfraktur Typ C (B)
Abb. 3-21: Vordere und hintere Stabilisierung mittels vorderem subcutangelegenem Fixateur intern (A) und iliosacralen Schrauben bei einer instabilen Beckenringfraktur Typ C (B) (mit freundlicher Genehmigung von AO Publishing, Copyright © 2003, by AO Publishing, Switzerland)
Orthoforum

Prognose / Komplikationen:

- Coxarthrose: abhängig von der Qualität der Gelenkrekonstruktion und dem Ausmaß des Knorpelschadens
- Hüftkopfnekrose bei Luxationsfrakturen

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